Hintergrund

Der ursprünglich als Blutdrucksenker erforschte Wirkstoff Sildenafil löste unter dem Namen Viagra eine zweite sexuelle Revolution aus. Das Präparat hatte zwar nicht die gewünschte Wirkung als Blutdruckmedikament, wies aber als Nebenwirkung eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit der Probanden auf. Ein Arzneimittel gegen erektile Dysfunktion, umgangssprachlich Impotenz genannt, war gefunden.

Milliardengeschäft Viagra

Die blauen Tabletten wurden für den Hersteller Pfizer zum Riesengeschäft. Allein mit Viagra setzt das Pharmaunternehmen weltweit jährlich 1,7 Milliarden US-Dollar um. Mittlerweile gibt es weitere Präparate mit der gleichen Wirkung, darin sind die Wirkstoffe Tadalafil (Handelsname Cialis), Vardenafil (Handelsname Levitra) oder Avanafil (Handelsname Spedra) enthalten.

Diese Medikamente hemmen ein bestimmtes Enzym (Phosphodiesterase 5), das üblicherweise die Erweiterung von Schwellkörper-Gefäßen steuert. Die Wirkstoffe werden deshalb auch PDE-5-Hemmer genannt. Denn sie sorgen dafür, dass die glatten Muskelzellen im Penis erschlaffen und somit das Blut in den Penis hineinfließen kann, um eine Erektion auszulösen. Zudem wird der Abfluss des Blutes im Zusammenspiel mit der Potenzmuskulatur, die im Becken lokalisiert ist, vermindert.

So entsteht eine Erektion

Damit eine Erektion entstehen kann, sendet das Gehirn die Botschaft “erotischer Reiz”.

Daraufhin sorgen Nerven dafür .

. dass die Muskeln in den Adern im Penis erschlaffen.

Dadurch weiten sich die Gefäße, und die Schwellkörper füllen sich mit Blut.

Gleichzeitig wird der Blutabfluss gebremst.

Dadurch schwillt der Penis an und wird steif.

Um die Potenz zu erhalten, ist eine gut funktionierende Muskulatur wichtig.

Die Muskelstränge umschließen den Penisansatz.

Wenn sie stark genug sind, verhindern sie, dass das Blut während einer Erektion vorschnell aus den Schwellkörpern abfließt.

So unterstützt die Muskulatur Härte und Dauer einer Erektion. Sind die Muskeln zu schwach, hilft gezielte Beckenboden-Gymnastik.

Ohne gesunde Libido wirken Viagra und Co. nicht

Wer glaubt, allein die Einnahme von Viagra und Co. würde zu einer Erektion führen, irrt jedoch. “Wenn Sie die Tablette einfach so schlucken und dann zum Beispiel weiter E-Mails schreiben, passiert gar nichts”, erklärt Dr. Matthias Mahn vom Pharmaunternehmen Pfizer. “Es bedarf zunächst einer sexuellen Stimulation. Der dadurch ausgelöste Durchblutungseffekt wird durch Viagra lediglich verstärkt und führt dann idealerweise zu einer sichtbaren Erektion.”

PDE-5-Hemmer sind daher wirkungslos bei erektilen Dysfunktionen, die durch Nervenschäden hervorgerufen wurden. Auch wenn Durchblutungsstörungen vorliegen, können sie nicht eingesetzt werden. Weitere Gegenanzeigen kann ein Arzt nach eingehender Untersuchung feststellen. Medikamente wie Viagra sollten unbedingt nur nach ärztlicher Verschreibung eingenommen werden.

Impotenz: Wer hilft bei Diagnose und Therapie?

Viele von Impotenz betroffene Männer schweigen aus Scham. Dabei kann ihnen geholfen werden – medizinisch und psychotherapeutisch. Adressen und Ansprechpartner. mehr

Wie lange hält die Wirkung von Viagra und Co an?

Die höchste Effektivität der Medikamente hängt davon ab, wann die Konzentration der Substanz im Blut am höchsten ist. Das kann je nach Medikament zwischen 40 Minuten und vier Stunden dauern. Cialis zeigt die längste Wirkung, die teilweise sogar nach etwas länger als zwei Tagen noch vorhanden ist. Bei Levitra und Viagra kann die Wirkung auch noch nach fünf Stunden anhalten, nimmt dann in der Regel aber signifikant ab.

Die “Potenzpille” wird auch zum Lifestyle-Produkt

In unserer stark sexualisierten Gesellschaft wird sexuelle Leistungsfähigkeit beim Mann leicht mit Männlichkeit gleichgesetzt. So verkauft sich Viagra auch als Lifestyle-Produkt sehr gut. Die Politik hat die Potenzpillen 2004 sogar per Gesetz von den Arzneimitteln ausgeschlossen. Die Kassen übernehmen keine Kosten mehr. Erektile Dysfunktion wertet die Politik seither als ebenso wenig behandlungsbedürftig wie Übergewicht oder Haarausfall. Für die Pharmaunternehmen ist das kein Problem. Denn die Kundschaft hält das nicht ab: Die Nachfrage nach Potenzmitteln steigt kontinuierlich.

Erhebliche Gesundheitsgefahren durch gefälschte Potenzmittel

Preise pro Tablette

Nach Ablauf des Patentschutzes für Viagra, Cialis und Levitra sind preiswertere sogenannte Generika-Präparate mit demselben Wirkstoff erhältlich.

Die Kosten hängen von Dosierung, Packungsgröße (hier mit vier Tabletten) und Hersteller ab.

Sildenafil 50 mg – ca. 3,25 bis 13,75 Euro
Tadalafil 10 mg – ca. 3,28 bis 22 Euro
Vardenafil 10 mg – ca. 3,87 bis 8 Euro
Avanafil 100 mg – ca. 8,24 Euro

(Stand: 2019, Quelle: Stiftung Warentest)

Aus Scham oder aus Kostengründen versuchen viele Männer Arztpraxen und Apotheken zu umgehen. Für vier Viagra-Tabletten müssen Patienten in der Apotheke bis zu gut 50 Euro bezahlen. Viele kaufen Potenzmittel deshalb im Internet. Laut einer Untersuchung des Zentrallabors Deutscher Apotheker in Eschborn ist mindestens die Hälfte der Potenzpillen, die im Internet ohne Rezept bestellt werden, gefälscht.

Das birgt eine erhebliche Gesundheitsgefahr für die Nutzer, wie Dr. Mona Tawab deutlich macht: “Es gibt im Grunde keine gute Fälschung, denn sie werden unkontrolliert hergestellt. Man muss zwischen zwei Arten von Fälschungen unterscheiden. Die einen sind dem Original sehr ähnlich. Der Wirkstoff ist darin auch eingearbeitet, zum Teil allerdings in geringerer Dosierung. Es gibt aber auch tatsächlich Fälschungen aus Hinterhof-Produktionen, in die Lacke eingearbeitet werden. Sie einzunehmen, kann durchaus sehr gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein.”

Die Pharmazeutin warnt zudem vor pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, die als harmlose Potenzmittel angepriesen werden. “Wir konnten darin schon synthetische chemische Stoffe nachweisen, die nicht deklariert sind. Und der Hammer ist allerdings, dass in solchen pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln der Viagra-Wirkstoff in viel höherer Dosierung enthalten sein kann als in den üblichen Tabletten. Das ist natürlich extrem gefährlich“.

Lukratives Geschäft mit Potenzmitteln

Was für ein gutes Geschäft der Handel mit – auch gefälschten – Viagra verspricht, registriert auch der Zoll am Frankfurter Flughafen. Allein 2018 stellte der Frankfurter Zoll mehr als 1,4 Million Tabletten und Ampullen wegen eines „Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz“ sicher, die Bandbreite der Präparate geht von Schmerzmitteln, Anti-Baby-Pillen bis zu Potenzmitteln. Gerade bei den Potenzmitteln handelte es sich häufig auch um Fälschungen. Laut dem Frankfurter Zoll kamen diese meistens aus Indien.

Fast jede Impotenz kann therapiert werden

Eine verbreitete Ursache für erektile Dysfunktion, umgangssprachlich Impotenz, ist eine schwache Beckenbodenmuskulatur. Diese Muskulatur ist mit dem innen liegenden Teil des Penis verbunden.

Wird die Beckenbodenmuskulatur angespannt, wird Druck auf den Penis ausgeübt. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass das Glied erigiert.

Um die Beckenbodenmuskulatur zu trainieren, kann es erforderlich sein, täglich bis zu 20 Minuten lang spezielle Übungen zu absolvieren. Dann kann auch wieder mehr Druck auf den Penis ausgeübt werden.

Die glatten Muskelzellen in den beiden Schwellkörpern des Penis lassen sich jedoch nicht willkürlich trainieren. Genauso wenig wie der Herzmuskel. Mithilfe einer solchen Vakuumpumpe kann man sie jedoch stimulieren.

In dem Gerät wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch wird der Penis groß und die Zellen im Schwellkörper zum Wachstum angeregt. Etwa fünf Mal in der Woche sollten die Patienten üben. Das Hanteltraining für den Penis funktioniert übrigens nicht ohne Beckenbodentraining.

Entscheidend für den Übungseffekt ist die Stärke des Unterdrucks, der mit dem Gerät erreicht werden kann.

Mit der Vakuumpumpe lässt sich nicht nur üben. Sie hilft auch direkt vor dem Geschlechtsverkehr eine Erektion aufzubauen.

Mit einer Penisschlaufe lässt sich verhindern, dass das Blut vorzeitig wieder abfließt. Sie sollten nicht länger als 30 Minuten am Stück getragen werden, da der Penis sonst nicht ausreichend versorgt wird.

Eine Erektion verspricht das Auftragen eines Gels mit Prostaglandin-E-1 auf der Eichel. Dieser Triggerwirkstoff muss zehn bis 15 Minuten einwirken. Die Verwendung eines Kondoms wird empfohlen, um eine Übertragung des Wirkstoffs auszuschließen.

Sogenannte Potenzmittel wie Viagra und Co. unterstützen einen schwachen, aber noch vorhandenen Erektionsmechanismus.

Verkümmerte Penis-Nerven können der Grund für eine eingeschränkte Fähigkeit zum Orgasmus sein. Hier kann eine Stimulation der Nerven dem betroffenen Mann helfen. Mit einer Vibrationsplatte werden die Nerven durch leichte Vibrationsimpulse trainiert.

Eine große Überwindung kostet es sicher jeden Mann, sich selbst eine Spritze in den Penis zu geben. Allerdings können Männer, deren Nerven geschädigt sind, mit der Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) in der Regel wieder eine Erektion erreichen. Dabei tut der Piks nicht weh.

Lässt sich eine Erektion auch mit der SKAT-Methode nicht mehr erreichen, etwa nach einer Prostata-OP, kann ein Schwellkörper-Implantat helfen. Der Eingriff wird in fast allen Fällen von der Krankenversicherung bezahlt, wenn er ärztlich angeraten ist.

Das Reservoir, oben im Bild, wird neben der Blase platziert. Es wird mit einer sterilen Salzlösung gefüllt. Mithilfe der kleinen Pumpe am eckigen Verteilerstück, das später von außen nicht sichtbar im Hodensack liegt, wird die Flüssigkeit in die beiden Schwellkörper gedrückt. Der Penis richtet sich auf.

Ein Druck auf die Außenkanten des Ventils sorgt dafür, dass die Kochsalzlösung wieder zurück in das Reservoir fließt. Der Penis wird wieder weich. Patienten haben damit einen ganz normalen Orgasmus.

Eigentlich kann jedem Mann, der unter seiner Impotenz leidet, geholfen werden. Deshalb ist es so wichtig, darüber zu sprechen und einen Spezialisten aufzusuchen.

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Dieses Thema im Programm:

45 Min | 06.01.2020 | 22:00 Uhr

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